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Pitt Kreuzberg - Ölbilder, Gouachen, Aquarelle

17. September - 15. Oktober 1989 in der Regenbogen Galerie

Sein Leben

1888 Pitt Kreuzberg wird am 30. Mai 1888 in Ahrweiler als Sohn einer alten Unternehmer- und Kaufmannsfamilie geboren.
Urgroßvater Georg Kreuzberg, Entdecker und Betreiber des Apollinaris-Brunnens und der Neuenahrer Quellen. Großvater Anton Kreuzberg, Generaldirektor des Apollinaris-Brunnens. Vater Leopold, Kaufmann, gestorben 1908.
1888 - 1907 Kindheit in Ahrweiler.
Gymnasium in Ahrweiler, Brühl und Münstereifel
1907 - 1911 Student der Kunstakademie Düsseldorf
1911 - 1913 Student der Kunstakademie München
1913 Annahme seiner Wahlheimat Schalkenmehren
1914 - 1918 Soldat im ersten Weltkrieg
1922 - 1932 Frühphase und Prozess der Selbstfindung in der Nähe des deutschen Expressionismus
1932 Ein Jahr Aufenthalt als Maler in Holland
1932 - 1949 Lebensmitte. Zeit der großen Eifeldarstellungen und der Blumenbilder
1947 Mitgliedschaft der Are-Gilde
1950 - 1958 Zweite Experimentierphase
1955 - 1957 Versuch graphischer und abstrakter Darstellungen
1955 - 1958 Bilder, gezeichnet durch den bevorstehenden Tod seiner Ehefrau
1958 - 1966 Expressive, ekstatische Malerei als Vorläufer der späteren »Jungen Wilden« der 80er Jahre
1966 Pitt Kreuzberg stirbt am 22. Februar in Bad Honnef im Hause seiner Tochter

Die »mahlende Hand Gottes«

Eifelmaler oder Expressionist? Mystiker oder Metaphysiker? Surrealist oder »Junger Wilder«? Man hat's nicht leicht, wenn man auf der aktuell hochschwappenden Woge des Expressionismus - dem Pitt Kreuzberg nahestand - nicht lediglich mitschwimmen will.

Uns geht es mit dieser Ausstellung - bald ein Vierteljahrhunderet nach dem sein Tod - um den Versuch, die kunst- und kulturhistorische Bewertung dieses zweifellos bedeutenden und ausdrucksstarken Malers einer w erkgerechten öffentlichen Meinungsbildung zuzuführen und so - wie es etwa auch dem Expressionisten Otto Müller oder anderen großen Geistern widerfuhr - dem Schicksal einer langen Zeit eher einseitigen, somit unzureichenden und zumindest mißverständlichen Einschätzung zu entreißen.

Man macht es sich immer noch zu bequem, Pitt Kreuzberg einfach einen (oder: den) »Eifelmaler« zu nennen. ihm posthum dieses schnellfertige Etikett aufzukleben - bloß weil er dort lebte, Natur und Landschaft liebte und ihr seinem künstlerischen Schaffen einen gebührenden Platz zuerkannte!

»Kalter Winter« (1954)

»Kalter Winter« (1954)

Deshalb möchten wir die Aufmerksamkeit mehr auf sein Gesamtwerk lenken und ungekürzt den Wortlaut einer Rede zitieren, die Dr. Josef Ruland, Bonn - Präsident der »Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen« - am 7. Juni 1988 bei der Eröffnung der Jubiläums-Ausstellung »100 Jahre Pitt Kreuzberg« in seiner Wahl-Heimatstadt Daun gehalten hat:

»Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wie ist Pitt Kreuzberg als Eifelmaler zu sehen? Worauf beruht seine Sonderstellung, die er zweifellos hat, die aber vielleicht mit gleichem Recht auch von anderen Malern in der Eifel beansprucht wird?

Ganz sicher dürfen wir folgendes annehmen: Die Flucht auf das Land, nach Schalkenmehren, vollzog er nicht allein. Das Bürgertum, besonders in den kulturell empfindlichen Vertretern, war seiner selbst müde, zum Teil überdrüssig geworden. Wer als Künstler nach der wahren Aussage strebte - und das wollen immer die Besten - fand sie nicht im lauten Betrieb der Städte, ihrer Vergnügungen und vor allem Ablenkungen. Viel wahrscheinlicher war es, die Wahrheit draußen in der jungfräulichen Natur, begünstigt nach Möglichkeit durch das Leben im kleineren Kreise Gleichgesinnter, zu finden. Künstlerkolonien entstehen, denken Sie an Worpswede nahe der Nordsee, die Kurische Nehrung in Ostpreußen. Raus aus dem Kulturbetrieb, zurück in das einfache Leben. Damit also stand unser Maler längst nicht allein. Alle Künste besaßen solche Einzelgänger, Flüchtlinge der Gesellschaft mit ihrem verlogenen Treiben und Tun.

In der Eifel erhielt diese Haltung ihren besonderen Akzent, weil dahinter auch die bewusste Kampf- und Absage an die Etablierten steckte, deren es selbst in der Eifel einige gab. Hatte es Fritz von Wille so weit gebracht, dass er, bei Winterwohnung in Düsseldorf, im Sommer auf einer Burg in der Eifel regelrecht residierte? Möglicherweise war auch ein einfacheres Leben, wegen der geringeren Ausgaben, auf dem Lande eher zu verwirklichen. Der eigene Garten, der tapfer bearbeitet wurde, die selbst hergestellte künstlerisch geprägte Kleidung, denken Sie an die Jugendbewegung, hatten in Deutschland einen hohen Wert. Ich brauche Ihnen nur den Namen Hermann Hesse zu nennen, und die meisten von Ihnen haben das Paradebeispiel des Einzelgängers, Kulturflüchters, in religiösen Zwiespalt geratenen Künstlers vor Augen. Hesse stand also nicht allein. Ich nehme nämlich an, anders kann ich mir die Absetzung nach Schalkenmehren nicht erklären, dass unser Maler unter ähnlichen Visionen litt. Denken Sie daran, meine sehr geehrten Zuhörer, unter welchen Zwängen ein sich selbst ernst nehmender Künstler steht. Ist das, was ich tue, wahr, aufrichtig? Entspricht es meiner Persönlichkeit oder ist es nur eine aufgesetzte, mir wesensfremde Haltung, die eigentlich gar nicht zu mir passt? Wenn ich mich selbst geben will, und nicht nur dem Publikum zuliebe bestimmte Themen anschlage, was muss ich tun? »Ich male, wozu mich innere Notwendigkeit zwingt. Das kann heute eine Landschaft, morgen ein Porträt sein. Freilich portraitieren in dem üblichen Sinne, d.h. einen zu malen mit dem gelogenen Behang, Gott weiß welcher in Wirklichkeit nicht vorhandenen Tugend, das erlaubt mir mein künstlerisches Gewissen nicht.« So der Maler in einem Gespräch mit einem Journalisten.

»Europa« (1931)

»Europa« (1931)

Eine solche Einstellung muss zwangsläufig der Malerei der Eifel eine ganz andere Richtung als bisher geben. Das werden Sie alle hier im Raum begreifen. So kann natürlich auch nur jemand sprechen, der, wie die Tochter des Malers sagte, ein schizophrenes Verhältnis zu Geld hat. Besonders deutlich tritt diese so ganz andere Haltung in seinen Landschaftsbildern zutage. Es geht nicht darum, eine Landschaft oder einen Ausschnitt gefällig zu malen. Es geht auch nicht darum, die schöne Landschaft zu malen, das saubere oder aber zumindest idyllische Dorf. Kreuzberg zwingt sich dazu, eine Landschaft zu malen, die ganz anders ist als das, was Eifelbilder bisher gaben. Da fehlen die Ruinen und strohgedeckten Hütten, in denen arme, aber brave Menschen leben. Es geht nicht um Abendbrot auf Eifelmaaren, sondern es geht, wenn Sie genau hinschauen, um die völlige Einordnung des Menschen, ja Unterordnung unter die Natur. Die Natur dominiert, der weite Blick über das Auf und Ab der Hügel und Berge mit dem stets sprechenden Himmel. Es gibt wenige deutsche Landschaftsmaler, bei denen der Himmel eine solche Rolle spielt wie bei Kreuzberg. Da türmen sich Wolken, da jagen sie dahin wie eine Meute Hunde. Lichtbündel schießen als Blitze aus den Wolken, die auf einigen Bildern regelrecht bühnenreif dekorativ wirken. Diese Bedeutung des Himmels ist sehr interessant. Da darf man nicht mehr von Lüftelmalerei wie im Süddeutschen sprechen. Zarte Tönungen fehlen. Der Himmel grollt, schüttet Regen herab, zürnt. Der Himmel ist nachher wichtiger als die Erde. Zwei Drittel vieler großer Bilder zeigen Himmel, ein Drittel nur zeigt Erde. Da steht Pathos hinter, echtes barockes Pathos, wie wir es noch aus Schillers Dramen ablesen können. »Mach Deine Rechnung mit dem Himmel, Vogt.« Oder »Brüder, überm Sternenzelt, muss ein guter Vater wohnen.«

Karneval in der Eifel (1931)

Karneval in der Eifel (1931)

Kreuzbergs Landschaften widersprechen allen anderen Eifellandschaften, die bisher irgendwo zu sehen waren oder zu sehen sind. Sie sind nicht gekonnt gemalt; das heißt, alle seine Bilder entbehren der Routine. Ich glaube, das ist für den Künstler ein unbegreifliches Wort gewesen. Für ihn, der sich bei jedem Bilde schwer tut, geht es ja nicht um Routine oder Fingerfertigkeitsübungen. Für ihn ist jedes, aber auch jedes Bild Ausdruck eines neuen Abschnittes der Selbstverwirklichung, des Findens zu sich selbst.

Das Konzert (1934)

Das Konzert (1934)

Die Frage: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? muss ihn Zeit seines Lebens ungemein beschäftigt haben. Nur über diese Fragen und den Versuch einer Antwort kommt man an den Maler heran. Wir haben zwei Selbstportraits in dieser Ausstellung. Eins aus der frühen Zeit, etwa in einem Alter von knapp mehr als zwanzig Jahren, und eines von 1925, als Kreuzberg 37 Jahre alt war. Wir haben zum Vergleich auch noch die Büste von Heller. Ein ungemein verschlossenes, trotzig blickendes Antlitz, das sich im Laufe der Jahre nur geringfügig geändert hat. Blaue, beherrschend wirkende Augen und ein entschlossen wirkender Gesichtsausdruck. Ernst und wenig mitteilsam. Wer etwas über ihn erfahren will, mag sich an die Bilder halten. Als ich diese Bilder sah, wusste ich sofort, warum Kreuzberg keine Kontakte zur malenden Zunft, vor allem nicht in der Umgebung der Eifel gefunden hat, finden konnte. Ihm ging es nicht um ein mehr oder weniger schönes Bild der Eifel, ihm ging es, nochmals muss es gesagt sein, um Findung seiner selbst. Ein Mensch, der mit sich und anderen streng ist, oft unbequem, mit stark individualistischen Zügen. Thomas Mann definiert den Dichter als einen Menschen, der sich beim Schreiben schwer tut. Der Maler Kreuzberg ist ein Maler, der sich beim Malen schwer getan hat. Da ist aber auch kein Blatt in dieser Ausstellung, das von einer leichten Hand zeugen könnte. Selbst die Aquarelle der die Kuh melkenden Frau, der Holzsammlerin oder die Pastelle der Arbeitsdienstgruppe bei der Arbeit sind nicht einfach so dahin geworfen. Das gilt auch für die Kohlearbeiten und die frühen Federzeichnungen aus dem Kriegsjahr 1917. Es sind ja auch keine heiteren oder besinnlichen Themen, die Kreuzberg verarbeitet. Arbeitende Menschen vor allem oder solche, deren Leben zu Ende geht, auf einer schwer zu bearbeitenden Erde. Ich sage bewusst Erde, denn keines der Kreuzberg'schen Bilder lässt den Begriff Boden zu. Seine Erde ist lehmfarben, nicht sehr fruchtbar, hart in der Sonne und nur für denjenigen schön, der sie nicht zu bearbeiten braucht. Er wusste aus dem heimischen Ahrtal, dass es den fröhlichen Winzer im Sinne des Klischees ebenso wenig gibt, wie den singenden Landmann. Dieses lehmfarbene, ockerhaltige Gelb ist übrigens eine Grundfarbe der so genannten »neuen Sachlichkeit«, einer malerischen Bewegung, die, wie eingangs gesagt, die Antwort der deutschen Maler auf den verlorenen Krieg, der goldenen zwanziger Jahre und der Arbeitslosigkeit war. Sie folgte dem Expressionismus, hat aber unseren Maler im Prinzip wenig berührt.

Frauenbildnis (um 1927)

Frauenbildnis (1927)

Noch ein Wort zum Thema Humor und Kreuzberg. Es gibt in dieser Ausstellung ein Bild »Fastnachtstreiben im Eifeldorf«. Es soll Fröhlichkeit darstellen, doch weder die dargestellten Menschen noch die Wintereinsamkeit des Dorfes erzeugen den Eindruck. Und das sollen sie auch nicht. Die kleine Gruppe der Vermummten vor dem abseits liegenden Dorf macht den Eindruck eines verlorenen Häufleins, das eher Mitleid oder Melancholie abnötigt, isoliert von der Bewohnerschaft einer fast rituellen Handlung nachgeht. So, und darin liegt der Wert des Bildes, so vollzog sich in unseren Dörfern die Fastnacht vor dem Lautwerden der Massenmedien mit den Einflüssen von Köln und Mainz. Stefan Andres hat uns eine meisterhafte Novelle hinterlassen »Die Vermummten«, worin das Fastnachtstreiben in unseren Dörfern damals, das Bild ist 1924 entstanden, ergreifend geschildert wird.

»Blitz und Donner« (1933)

»Blitz und Donner« (1933)

Fröhlich sind allein Kreuzberg's Blumenbilder. Das Triptychon einer fast exotisch anmutenden Flora vor dem Maar - zwischen 1948 und 1951 geschaffen - ist eine rechte Augenweide. Die beiden Fingerhutstauden auf den Außenflügeln, die beim Zuklappen durch zwei Winterlandschaften ersetzt werden, so etwas gibt es in der deutschen Malerei nicht noch einmal. Dabei arbeitet der Maler so gar nicht exakt oder akkurat, wie man sich leicht überzeugen kann. Der Gesamteindruck muss stimmen. Mutter Natur lässt auch leichte Verbindungen zu, regelrechte Saloppitäten, denn ihr Füllhorn ist groß, wenn der Mensch sie gewähren lässt. Das »Wiesenstück aus der Froschperspektive« oder der »Blütenbaum am Maar«, »Blumenstück mit Kapuzinerkresse«, das Herz lacht im Leibe, wenn solche Bilder zu sehen sind. Das »Winterbild« von 1937«, das »Maar zur Ginsterblüte«, die einsame Distel am Rande des Kornfeldes, symbolisch ungemein sprechend für den Einzelgänger, der ein partout anderes Dasein erstrebt, lassen fast einen Pantheismus zu, wenn nicht daneben die ständige Auseinandersetzung mit herkömmlichen Glaubensvorstellungen stünde.

Mädchen im Mondschein (1931)

Mädchen im Mondenschein (1931)

Der Vater war ernst, neigte zum Sinnieren, wobei ein leicht mytischer Einschlag nie zu überhören oder übersehen war. So seine Tochter. Hinzu kamen seine einfache Kleidung und Lebensweise - er war absoluter Frühaufsteher - und seine gesamte Erscheinung. Er muss, wie ich unsere Dörfer kenne, Zeit seines Lebens ein Außenseiter geblieben sein. Das schließt nicht aus, dass man ihn nicht mochte, ja zeitweise sogar stolz auf ihn war. Doch der Künstler schlechthin, auch in der Gegenwart gilt das, steht immer am Rande der großen Gesellschaft.

»Christus fällt unter dem Kreuz« (1955)

»Christus fällt unter dem Kreuz« (1955)

Unser Maler wusste darum, hat jedoch nie daraus Kapital geschlagen. Er schuf gewissermaßen einen windstillen Raum um sich, in dem er arbeiten konnte und nicht gestört wurde. Wenig Kontakte, in den Jahren 1930 bis 1940, auch nach dem Kriege, einige junge Leute, die von ihm lernen wollten, Distanz zu anderen Künstlern, die seine Meinung fürchteten. Die Freunde aus den Zeiten der Akademien hatten sich verloren. Ein Briefschreiber ist er mit Sicherheit nicht gewesen. Seine Bilder sollten sprechen.

Porträt eines Mannes (1958)

Porträt eines Mannes (1958)

Geblieben ist ihm zeitlebens der Hang zum Grübeln und Sinnieren. Eigenartigerweise griff er bei ernsten Themen gerne zur Kohle und Feder. Nur hin und wieder bedachte er solche Themen mit Farbe. Er wusste wohl, dass es eine Nachtseite in einem jeden menschlichen Leben gibt. Sein letztes Bild zeigte einen hellen und einen dunklen Engel. Moses, Christus unter dem Kreuz, unser heutiges Ausstellungsplakat, der einsame Mann in der Barke vor dem Wal, Don Quichotte sind Themen der Nachtseite. Die quälen ihn, wie wir auch von des Malers Skizzen zu den brennenden Problemen unserer Zeit wissen. In den jüngeren Jahren war aus solchen Gedanken 1929 das große Bild »Christus unter dem Kreuz« geworden. Jetzt, im herannahenden Alter die Frau mit der Ziege, die sie am Seil hinter sich herzieht. Ein harte Worte sprechendes Bild. Von 1946 stammt das gute Portrait eines Eifelers, ergraut, doch mit hellwachen Augen, ähnlich den »beiden Alten beim Verlassen der Kirche«, das sicher auch aus jüngeren Jahren, aber aus gleicher Gedankenwelt stammt. Es widerlegt übrigens die These gegenüber dem menschlichen Körper, in der Darstellung des Menschen sei der Maler nicht so stark. Das kann so nicht stehen bleiben und müsste in etwaigen Lebensbildern, so wie Geburts- und Sterbedatum korrigiert werden, wenn schon Genauigkeit verlangt wird.

Die Frage nach dem Drüben beschäftigte Kreuzberg, der Mitte der 50er Jahre mehr und mehr das Signum des Kreuzes auf dem Bergkegel benutzte, sehr intensiv. Seine Landschaften mit Himmel scheinen diesen aufreißen zu wollen, um einen Blick hinein zu tun. Es gibt eine Reihe Kreuzberg'scher Bilder mit seiner Deutung des »Nach diesem Leben«. Diese Ausstellung, für die wir übrigens dem Kreis, der Sparkasse sowie dem unermüdlichen Herrn Ferber aufs höchste dankbar sein müssen - eine einmalige Ausstellung in der Eifel - hat sich das Thema des Surrealisten und metaphysischen Peter Kreuzberg auf eine spätere Zeit aufgespart.

Atomsonne (um 1962)

Atomsonne (um 1962)

Aber ein Bild gibt es in dieser Ausstellung, das geradezu prophetisch auf diese Bilder Kreuzberg's hindeutet. Es ist 1925 entstanden, trägt den Titel »Der Dichter«, wenn ich recht unterrichtet bin. Ein ungemein beeindruckendes Bild des stummen Denkers vor dem geöffneten Fenster, der hinaus zum nächtlichen Himmel schaut, ganz eingesponnen in seine Meditation. Hand aufs Herz, wir alle hier im Raume, eine solch' packende Darstellung des einsamen Menschen bei Nacht haben wir von Pitt Kreuzberg nicht erwartet.

Sehr geehrte Frau Lorenz, liebe Anwesende, man soll mit Ehrentiteln sehr sparsam sein. Ihr Vater jedoch und Ihr Landsmann, der in Ihrer Mitte beerdigt liegt, von der Erde zugedeckt, hat ein Kapitel »Malerei in der Eifel« geschrieben, wie niemand vor und neben ihm«


Pitt Kreuzberg selbst war da viel bescheidener und doch zugleich anspruchsvoller. Freilich, er knüpfte und pflegte Freundschaften zu Wollheim, Hundt und Schwesig, die später auswanderten. Er hatte Verbindungen mit Mark, Klee und Macke, Thorak, Kolbe und Vogel. Und die so genannten »frühen« Pitt Kreuzbergs der 20er Jahre - im Kunsthandel ziemlich hoch eingeschätzt - erinnern manchmal an Kirschner, Beckmann oder auch van Gogh. Aber Pitt Kreuzberg war nie Epigone, solche Bezüge sind eher dem Prozess seiner Selbstfindung zuzuschreiben. Er trug vielmehr das Schäferkleid der Demut, suchte das Ganze, die Einheit, die große Kraft hinter der Erscheinung der Dinge. Landschaft, so gesehen, spielt ihm Gesichte zu von den Ufern des Maares, in Nebel und Dämmerung zumal. Aber er sieht mehr als Landschaft. Er sieht in ihr Gottes Antlitz. Er ringt um Wahrheit.

»Ich verlange vom Betrachter ein Sich-hinein-Vertiefen in meine Arbeit und von einem Kritiker ein Befassen mit meinem Gesamtschaffen und nicht die Sezierung eines einzelnen Bildes. Erst so kann ein rechtes Verständnis erzielt werden.«, waren seine Worte.

Ein naher Verwandter, Josef Kreuzberg, schrieb wenige Tage nach der Beisetzung:

»Aus tiefer Gottgebundenheit setzte sich Pitt in seiner Kunst mit seiner Zeit und ihrem tragischen Hintergrund auseinander. Vor seinen Kreuzigungsbildern stockt der Atem. Sein Atombombenbild »Eine Stunde danach«, die schuldlose Qual der Contergankinder, die abgrundtiefe menschliche Verlassenheit und Verworfenheit sind Themen seines Pinsels, der mit Blut, Glut, Feuer und dem Aufruhr der Farben getränkt war. Daneben stehen Bilder der Freude und Heiterkeit: Landschaft, Stillleben, Bäume, Blumen und Fische, die unverfälschten Geschöpfe Gottes.

Pitt Kreuzberg war die malende Hand Gottes.

Er war wie der See, an dem er lebte, von strahlender Reinheit und Bläue, wenn die Sonne darauf scheint, und bis ins Herz betrübt, wenn düstere Wolken darüber hängen. Er war der Rufer im Streit und in der Zeit, und seine Stimme tönt nach seinem Tod noch lauter als je zuvor.«


Ausstellungsverzeichnis

  1. Mensch; Tusche 14 x 16 cm (1907)
  2. Akt, Graphit 22 x 41 cm (1908)
  3. Der Tod, Mischtechnik 14 x 14 cm (1909)
  4. Akt, Graphit 34 x 25 cm (1910)
  5. Akt, Öl auf Spanplatte 33 x 39 cm (1910)
  6. Eifellandschaft, Öl auf Spanplatte 24 x 34 cm (1910)
  7. Bauernhof I, Bleistift 14 x 22 cm (1915)
  8. Bauernhof II, Bleistift 14 x 22 cm (1915)
  9. Maarfrauen, Tusche 22 x 30 cm (1916)
  10. Picknick am Maar, Aquarell 34 x 43 cm (1923)
  11. Getreidefeld, Aquarell 23 x 31 cm (1923)
  12. Vor dem Gartenzaun, Öl auf Spanplatte 28 x 40 cm (um 1924)
  13. Maarlandschaft, Öl auf Spanplatte 18 x 22 cm (um 1924)
  14. Baden am Maar, Öl auf Spanplatte 20 x 27 cm (um 1924)
  15. Frauenbildnis, Aquarell 23 x 41 cm (1924)
  16. Schnitterin, Öl auf Spanplatte 32 x 44 cm (1925)
  17. Ihn reitet der Teufel, Aquarell 17 x 31 cm (1925)
  18. Eifelmaar, Öl auf Spanplatte 37 x 50 cm (1925)
  19. Waldboden, Öl auf Spanplatte 38 x 52 cm (1926)
  20. Mädchen beim Lesen, Öl auf Spanplatte 29 x 38 cm (um 1926)
  21. Mutter und Kind, Öl auf Spanplatte 34 x 43 cm (um 1926)
  22. Auf dem Felde, Pastell 61 x 61 cm (1929)
  23. Mohnblüte, Aquarell 34 x 46 cm (1930)
  24. Winterlandschaft, Aquarell 49 x 61 cm (1930)
  25. Mädchen im Mondenschein, Öl auf Spanplatte 43 x 75 cm (1931)
  26. Heißer Sommer, Aquarell 55 x 59 cm (1931)
  27. Studie »Schmer Anni«, Graphit 32 x 45 cm (1933)
  28. Das Konzert, Aquarell 47 x 70 cm (1934)
  29. Weststrand in Holland, Pastell 48 x 48 cm (1938)
  30. Jakob, Aquarell 45 x 53 cm (1939)
  31. Bildnis T. K., Öl auf Spanplatte 29 x 35 cm
  32. Christus, Öl auf Spanplatte 38 x 50 cm (n. d.)
  33. Weinende Frau am Maar, Öl auf Spanplatte 32 x 40 cm (n. d.)
  34. Landschaft, Öl auf Spanplatte 48 x 58 cm (n. d.)
  35. Krautschneider, Öl auf Spanplatte 36 x 49 cm (n. d.)
  36. Auf dem Felde, Öl auf Spanplatte 42 x 34 cm (n. d.)
  37. Rendevous am Abend, Öl auf Spanplatte 38 x 52 cm (n. d.)
  38. Bildnis eines Mannes, Öl auf Spanplatte 36 x 42 cm (n. d.)
  39. Gewitter, Öl/Aquarell 30 x 39 cm (n. d.)
  40. Selbstporträt, Pastell 24 x 30 cm (um 1945)
  41. Brücke, Aquarell 22 x 29 cm (um 1945)
  42. Junger Bauer, Kohle 29 x 41 cm (1945)
  43. Stillende Mutter, Wachsstift 22 x 28 cm (1946)
  44. Selbstbildnis, Graphit, 26 x 38 cm (1946)
  45. Frauenbildnis, Pastell 28 x 42 cm (1946)
  46. Frauenbildnis, M. K., Kohle 29 x 41 cm (1946)
  47. Bäuerin, Aquarell 29 x 41 cm (1946)
  48. Pilze, Bleistift 14 x 19 cm (1946)
  49. Wäscherinnen, Kohle 21 x 30 cm (1946)
  50. Betende Frauen, Kohle 21 x 30 cm (1946)
  51. Am Schalkenmehrener Maar, Tusche 20 x 22 cm (um 1947)
  52. Eifellandschaft, Aquarell 30 x 34 cm (1948)
  53. Pieta, Aquarell 20 x 27 cm (1950)
  54. Eifellandschaft, Aquarell 26 x 20 cm (1950)
  55. Der dumme Mensch, Öl auf Spanplatte 16 x 60 cm (1951)
  56. Urzeit, Öl auf Spanplatte 16 x 60 cm (1951)
  57. Pferdchen, Kohle 14 x 20 cm (1954)
  58. Anmut, Kohle 14 x 20 cm (1955)
  59. Das Bienenhaus, Öl auf Spanplatte 120 x 62 cm (1955)
  60. Kellertier, Kohle 15 x 21 cm (1956)
  61. Landschaft, Bleistift 14 x 19 cm (1956)
  62. Obstschale in weißem Mondlicht, Wachstempera 70 x 60 cm (n. d.)
  63. Skurrile Gesichter, Mischtechnik 29 x 43 cm (1961)
  64. Stillleben mit Kürbissen, Öl auf Leinwand/Rupfen 90 x 80 cm (n. d.)


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