Jubiläumsausstellung zum 100. Geburtstag des Künstlers

Alfred Holler (1888 - 1954)

Kunstmaler und Radierer

 

© Archiv Holler

 

Alfred Holler gehört zu den wenigen hervorragenden Deutern der linksrheinischen Berglandschaft. Die Charakterisierung: »Holler - der Eifelmaler«, der man häufig in der Literatur begegnet, wird ihm nicht gerecht, denn ihn hat jede stimmungsvolle Landschaft angezogen. Natürlich musste die herbe Schönheit der Eifel und des Hohen Venns eine starke Anziehungskraft auf ihn ausüben. Dies zeigen die Bilder, die er bei seinen zahllosen Wanderungen geschaffen hat.

Die Landschaftsbilder zeugen von seiner Fähigkeit, die jeweiligen Stimmungen in einer sehr eigenwilligen persönlichen Sprache aufzufangen, die sich geradezu exemplarisch in den Darstellungen der Eifel und des Hohen Venns mit den einsamen, windgeschüttelten Bäumen und Sträuchern widerspiegelt.

In Hollers frühen Bildern ist der Einfluss seines Lehrers Ludwig Dill spürbar. Möglicherweise ist er während des Studiums an der Karlsruher Akademie (1911 - 12/13) auch mit Arbeiten der Gruppe »Die Dachauer« (Mitbegründer war L. Dill) in Berührung gekommen. Die Faszination des Dachauer Moores - ein bevorzugtes Motiv seines Lehrers - und dessen großes Interesse für Wolkenbildungen haben auch Holler beeinflusst; letzteres sogar wegweisend, wenn man Hollers Behandlung des Himmels betrachtet.

Will Hermanns charakterisierte ihn als den Maler, der die Stimmungen einer Landschaft erkennt und in sich aufnimmt, sie nicht in diese hineinträgt, sondern sie herausholt.

Alfred Holler malt mit einem breiten und sicheren Strich. Man spürt, wie er die warmen und kalten Farbtöne gegeneinander abwägt. Seine Farbenpalette ist überaus reich - ohne dabei bunt zu wirken. Seine Vorliebe für grüne Farbtöne (das sog. Holler-Grün) ist offenkundig. Bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass er daneben die Farbe Blau in allen möglichen Schattierungen einsetzt. In seinen Landschaften vermeidet er überflüssige Details. Das Vordergründige scheint ihm oft nicht wichtig; dem Hintergrund widmet er all seine Liebe und sein Können. So führt er das Auge des Betrachters förmlich schrittweise in das Bild hinein oder erlaubt ihm den Blick über die Mauer hinweg zum Horizont - bis hin zu den Berghängen mit den Wäldern und Ackerflächen. Um dem Auge noch mehr zu bieten, unterbricht er das Mauerwerk mit einem geöffneten Tor.

Die Behandlung des Lichtes hilft dem Betrachter, Hollers Bilder zu erfassen: die scheuen ersten Strahlen der aufgehenden Sonne, die pralle Mittagssonne und die untergehende Sonne vor Anbruch der Dämmerung. Aber nicht nur die Behandlung des Lichtes macht seine Bilder zu Stimmungsträgern, sondern auch die Wirkung der Naturgewalten auf den Betrachter. Besonders deutlich wird dies bei der Darstellung des Wassers: Die ruhende Tiefe eines Maares, ein träge dahinfließender Fluss oder die sprudelnde Lebendigkeit eines Wasserfalles. Ebenso erkennt er den eigentümlichen Bildcharakter verträumter Dörfer und der verwinkelten Straßen. Die Architektur ist stets in seine Landschaft eingebunden, niemals losgelöst oder gar eigenständig. Somit sind seine Landschaften Stimmungsträger, in denen sich der Kreislauf der Natur und auch die jeweiligen Jahreszeiten widerspiegeln - ein Appell an den Betrachter?

Eine beträchtliche Anzahl Radierungen aus seiner Hand zeigen, dass er für diese Technik eine besondere Vorliebe entwickelt hat; dies kam nicht von ungefähr, denn seine Malweise ließ sich in einer Radierung eher umsetzten. Dies erklärt auch die häufige Anlehnung der Motive seiner Radierungen an die seiner Gemälde. Man spürt die Nähe zu Fritz von Wille, doch bleibt Holler durchaus eigenständig. Es ist unverständlich, warum ein Künstler seines Ranges nur einen so begrenzten Bekanntheitsgrad erworben hat.

Josef Dreesen

 

Schalkenmehren am Maar, Öl
© Archiv Holler

 

Sommertag in der Eifel bei Mehren, Öl
© Archiv Holler

 

Altes Eifelnest - Kronenburg, Öl
© Archiv Holler

 

Eupen, Unterstadt im Schnee, Mischtechnik
© Archiv Holler

 

Blick auf Eupen, Oberstadt, Öl
© Archiv Holler

 

Porträtist der Landschaft zum 100. Geburtstag des Kunstmalers und Radierers

»Jede Landschaft hat ihre eigene, besondere Seele« (Christian Morgenstern)

Zur Zeit seines künstlerischen Wirkens war er weit über die Grenzen der Eifel und Ardennen hinaus bekannt. Seine Kunstwerke fanden vielerorts große Wertschätzung. Nach seinem Tode im Jahre 1954 aber scheint Alfred Holler in der Kunstwelt und selbst in der Heimatliteratur etwas vergessen worden zu sein. Anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahre 1988 verdient es der Künstler, dass sein Schaffen erneut gewürdigt wird.

Alfred Holler wurde am 5. September 1888 in Krefeld, Rheinstraße 101 (heute Rheinstrasse 99), als jüngster Sohn des Schuhmachers Christian Holler und dessen Ehefrau Maria Margaretha, geb. Heynen, geboren. Das Interesse für die »Malkunst« stellte sich schon in der Kindheit ein: Eines Tages überraschte der Sohn Alfred seine Eltern mit großflächigen Bildern, die er mit Begeisterung auf die frischgestrichenen Wände der Speicherräume gemalt hatte. Ob es ausschließlich bei einer Würdigung der kleinen Kunstwerke blieb, ist unbekannt. Jedenfalls ging der kleine »Künstler« seinem Steckenpferd Malerei in den nächsten Jahren weiter eifrig nach.

Zum engeren Bekanntenkreis des Vaters, der später eine Lederhandlung und ein Schuhgeschäft betrieb, zählte ein Fabrikant. Dieser war von den Arbeiten des talentierten jungen Holler sehr angetan und gab schließlich den Anstoß dazu, Alfred Holler nach bestandenem Abitur das Studium der Kunstmalerei zu ermöglichen.

1906 begann Alfred Holler sein Studium an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf bei Prof. Peter Behrens und Prof. Ludwig Heupel-Siegen. 1908 ging er an die Académie Julien in Paris.

Die weiteren Jahre verbrachte er bis zum Studienabschluss an der Kunstakademie Karlsruhe. Dort war er 1908 - 1910 Schüler von Julius Bergmann, Professor für Tier- und Landschaftsmalerei. Anfangs war A. Holler wohl mehr an der Tiermalerei interessiert, in der er bald erste Anerkennung fand. So erhielt er um 1910 anlässlich einer Ausstellung in Karlsruhe für sein Ölgemälde »Kuhkopf« die Hausauszeichnung des Großherzogs von Baden, Friedrich II. Ab 1911 bis 1912/13 studierte er bei dem bekannten Ludwig Drill, Professor der Landschaftsmalerei. Er fand sogar Aufnahme in dessen Meisteratelier. Dill hat nachweislich die künstlerische Entwicklung Hollers entscheidend mitgeprägt.

Schon als Student der Düsseldorfer Kunstakademie wurde A. Holler durch seinen Malerfreund Walter Ophey mit dessen Heimatstadt Eupen bekannt. Bereits ab 1910 wohnte Holler in Eupen. Dort lebte er bis zu seinem Tode und erlebte somit, wie seine Wahlheimat als Folge des Vertrages von Versailles 1920 an Belgien fiel und während des Zweiten Weltkrieges vorübergehend wieder Deutschland angegliedert wurde.

Die abwechslungsreiche Eupener Landschaft - in unmittelbarer Nähe des Hohen Venns, des Aachener Kessels, der Eifel und der Ardennen gelegen - zog der junge Künstler stark in ihren Bann. Einige ausdrucksstarke Zeichnungen aus den Jahren 1910/13, in denen er mit Vorliebe Details darstellte, sind noch erhalten: z. B. »Stein im Bach«, »Eupen-Nispert«, »Bei Eupen«. Frühe Studienreisen unternahm er nach Holland und Flandern, wo er die Landschaften mit den Grachten und Kanälen, Kähnen und Segelboten, Windmühlen und Winkelgassen künstlerisch zu erfassen und zu gestalten suchte.

Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die künstlerische Tätigkeit Hollers im Eupener Land jäh unterbrochen. Im Jahre 1914 musste er die ihm lieb gewordene Wahlheimat verlassen.

Trotz der widrigen Umstände ist es als ein glücklicher Zufall zu bezeichnen, dass er als Kriegsmaler der Obersten Heeresleitung im Osten in den nächsten Jahren wirken konnte. Hauptsächlich in der alten litauischen Königsstadt Wilna und in deren Umgebung fand er eine große Fülle markanter Bildmotive.

Ein Teil der damals entstandenen Arbeiten sind in der »Bildbeilage (Holler-Nummer) zur Zeitung der 10. Armee, 'Scheinwerfer'« in der Nr. 59 vom 26. April 1917 veröffentlicht. In dem Leitartikel heißt es: »Seine Liebe galt mehr dem alten Wilna mit seinen engen und krummen Straßenzügen, den verwunschenen Winkeln und den baufälligen Häusern mit ihrer verwaschenen Farbigkeit. Namentlich ist's das Judenviertel, das es seinem Zeichenstift angetan hat. Die dunklen Höfe und Gänge, die winkeligen Gassen, das Menschengewirr, das sie belebt, weiß er überzeugend zu schildern. Unermüdlich ist er im Auffinden versteckter malerischer Winkel, immer weiß er ihnen neue künstlerische Reize abzugewinnen«.

Einige Ölbilder und Pastelle aus dieser Zeit sind auch datiert, was Holler bei seinen Werken, die nach 1920 entstanden, leider unterließ. Deshalb ist es kaum möglich, diese späteren Arbeiten einer bestimmten Schaffensperiode oder Entwicklungsperiode zuzuordnen.

Im Oktober 1917 heiratete A. Holler Martha Hass, die Tochter des Eupener Kaufmanns Johann Hass und dessen Ehefrau Gertrud, geb. Stolz. Das Ehepaar bezog das elterliche Wohnhaus der Frau in Eupen, Neustraße 44, in welchem der Künstler nun sein Atelier einrichtete.

Schon bald nach dem Ersten Weltkrieg erreichte A. Holler einen größeren Bekanntheitsgrad. Im Jahre 1920 veröffentlichte er eine Mappe mit fünf Original-Radierungen in einer einmaligen Auflage von fünfzig Exemplaren. Die Motive entstammen der Stadt Eupen und der näheren Umgebung: »Eupen, Marktplatz«, »Wirthkapelle«, »Oberste Heide«, »Schilsweg-Brücke«, »Am Spabrunnen«. In dem Geleitwort findet Dr. Felix Kuetgens, der spätere Aachener Museumsdirektor, anerkennende Worte für den Künstler. Er entdeckt in den Landschaftsbildnissen »ein langes, inniges Versenken von Sinn und Gemüt in den vertrauten und geliebten Gegenstand, in die Seele seiner Stadt. Das Auge wird vom Dunkeln zum Hellen geführt. Das alles verrät ein feines Landschaftsgefühl des Maler-Radierers«. Kuetgens spricht weiter von der »Kunst der Massenverteilung«, von der »flotten künstlerischen Handschrift, die - bis ins einzelne sichtbar und tastbar - zum herrschenden Träger der Gestaltung wird«.

A. Holler unternahm fast jährlich, die Wintermonate ausgenommen, ausgedehnte Studienreisen. Zu Fuß zog er aus, um immer wieder neue Augenerlebnisse zu suchen, um das Wesentliche zu erfassen in ihm schon bekannten und auch unbekannten Landschaften Hollands, Flanderns, der Eifel, der Mosel und des Rheins. Dort fand er überall eine große Fülle an Motiven, die uns heute in seinen Ölgemälden, Pastellen, Zeichnungen, Radierungen, Lithographien und Holzschnitten begegnen und zum verweilenden Betrachten einladen: Stadt- und Dorfansichten, Fluss- und Bachtäler, die Maare und Bergkegel der Vulkaneifel, das Hohe Venn, einsam gelegene Mühlen und Gehöfte, Burgen und Burgruinen, Kirchen und Kapellen, herrliche Fernblicke über verschiedenartige Landschaften, vereinzelt auch Stillleben mit Blumen u. a. m.

In seinem malerischen Werk erfasst Holler Stimmungen einer Landschaft realistisch und nüchtern - nicht romantisch und verklärt wie einige Künstler vor und neben ihm. Licht und Schatten, Hell und Dunkel, spielen in Hollers Kunst eine bedeutende Rolle. Er studiert die verschiedenen Lichtwirkungen im Tages- und Jahresablauf, belebt damit seine künstlerischen Aussagen. Er befasste sich intensiv mit dem vielfältigen Wechsel der Wolkenformen und mit dem Zauber des Wassers.

Der Aachener Publizist Will Hermanns würdigt Hollers Schaffen mit diesen Worten: »Und all dies malt er in breitem, sicherem Strich und mit der sichtbaren Freude des Könners am Gegenüberstellen und Abwägen kalter und warmer Töne, vertikaler und horizontaler Linien, geballter und aufgelöster Farbflächen. Seine Palette ist reich, ohne bunt zu sein. Seine Farben ... fügen sich harmonisch ins Bild. Seine Landschaften geben die wesentlichen Stimmungsträger und lassen alle überflüssigen Einzelheiten aus dem Spiel der Striche und Flächen«

Es ist auffallend, dass A. Holler auch in seinen Graphiken überwiegend die Landschaftsdarstellung zum Thema wählt. Dabei lehnen sich seine Radierungen oft motivlich an die Ölgemälde an. Ganze Zyklen von Radierungen schuf er in ein und derselben Stadt, so in Eupen und Stolberg, deren versteckte Winkel und Schönheiten er zuvor mit wachem Auge studiert hatte. Einige Arbeiten entstanden auch als Werkaufträge. A. Holler wurde wertvolle Unterstützung und Förderung in seiner Kunst durch den Bürgermeister der Stadt Eupen (Hugo Zimmermann 1928 - 1964) und durch den Bürgermeister der Stadt Stolberg (Dr. Engelbert Regh 1935 - 1944) zuteil.

Holler malte im nachimpressionistischen Stil, großflächig, mit breitem Pinselstrich. Im kompositorischen Aufbau seiner Bilder erkennt man, dass er ein Meisterschüler des großen Landschaftsmalers Ludwig Dill war.

Hollers Kunst fand hohe Anerkennung und auch Würdigung durch den belgischen Staat:

  • Durch Dekret vom 5.1.1934 erhielt er auf Vorschlag des belgischen Erziehungsministeriums den Ritterorden der Krone.
  • Mit Dekret vom 24.6.1954 wurde ihm vom belgischen König Baudouin der Ritterorden König Leopold II. verliehen.

Auch von harten Jahren und schweren Schicksalsschlägen blieb der Künstler nicht verschont. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges verstarb im April 1943 seine Frau Martha. Danach lebte er zurückgezogen, besaß aber einen kleinen Freundeskreis in Eupen und Umgebung. Im Jahre 1950 heiratete Alfred Holler wieder.

Am 18. Dezember 1954 verstarb er in Eupen. Seine letzte Ruhestätte fand der Künstler auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Krefeld. Sein Schaffen aber lebt weiter in seinen zahlreichen Werken, in denen er unsere Landschaft mit ihrer »eigenen, besonderen Seele« kunstvoll porträtiert hat.

Gilbert Duppich

(Anmerkung: Der Beitrag wurde auf Basis heutiger Erkenntnisse geringfügig redaktioniert.)

 

Eifelblick bei Waxweiler, Öl
© Archiv Holler

 

Landschaft in der Vulkaneifel mit Blick auf den Nerother Kopf, Öl
© Archiv Holler

 

Burg Stockem, Eupen, Radierung
© Archiv Holler

 

Hirtentor in Blankenheim, Radierung
© Archiv Holler

 

An der Kyll (Kronenburg mit Brigida-Kapelle, Lithographie
© Archiv Holler

 

Monschau, Radierung
© Archiv Holler

 

Alter Torbogen in Kronenburg, Radierung
© Archiv Holler

 

Landschaft bei Sankt Vith, Öl
© Archiv Holler

 

Jeder Mensch hat seinen ..., Radierung
© Archiv Holler

 

Der Ausstellungsführer zur Ausstellung:
Herausgeber: Kreisverwaltung Daun und Exekutive der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens
Redaktion: Gilbert Duppich, Daun und Franz-Josef Ferber, Daun
Fotos: WiBo Werbung, Bernkastel-Kues
Lithos: Reprotechnik Schmitt, Trier
Satz und Druck: Bastian-Druck, Neumagen-Dhron
Erschienen mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Daun

 

Urheberrechte und Danksagung

Unter www.Alfred-Holler.de ist eine weitere Internetpräsentation zum Leben und Werk des Künstlers Alfred Holler zu finden. Von dieser Seite stammen die hier veröffentlichten Abbildungen. Mein Dank für die freundliche Unterstützung gilt den Autoren Hilke, Fritz und Sven Dzubiel, Marmagen.


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